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Bericht unserer Ironman 70.3 Weltmeisterin

Marion Dangeleit

Marion Dangeleit

(29.11.09) Marion Dangeleit wurde Weltmeisterin, indem sie 70.3 Meilen, aufgeteilt in 1,9 km Schwimmen, 90 km Rad fahren und 21,1 km Laufen in einer Zeit von nur 4:23:18 zurücklegte. Damit wurde sie erste der 83 gemeldeten bzw. 72 ins Ziel gekommenen Athletinnen der Altersklasse 35 bis 39 Jahre. Insgesamt wurde sie 23. von 426 Frauen, zweitbeste deutsche Frau und belegte den 336. Platz aller 1410 Teilnehmer der Weltmeisterschaft in Clearwater Beach, Florida am 14.11.2009. Hier schildert sie ihre Eindrücke von diesem großartigen Erlebnis und der harten Vorbereitung dafür.

Qualifikation in Wiesbaden

Begonnen hat alles im August mit der Qualifikation für die Weltmeisterschaft beim Ironman 70.3 in Wiesbaden. Bei diesem Mitteldistanztriathlon (halbe Ironmandistanz), dem einzigen Qualifikationswettkampf für die Ironman70.3 WM in Deutschland (weltweit gibt es ca. 30 Qualifikationswettkämpfe) erreichte ich, obwohl ich mit meinen Leistungen nicht zufrieden war, den zweiten Platz meiner Altersklasse und bekam damit einen der vier für meine Altersklasse vorgesehenen Startplätze für die WM. Daher würde ich zum zweiten Mal an einer WM teilnehmen: Im Jahr 2003 war ich bei der Ironman Weltmeisterschaft auf Hawaii „Daylight Finisher“ (17. Platz in meiner Altersklasse).

Training im kalten Herbst

Acht Wochen vor dem Wettkampf fing dann die konkrete Vorbereitung nach Trainingsplan an. Mein Mann, der ebenfalls Triathlon macht, und ich verwenden als Vorbereitung auf Mittel- und Langdistanztriathlons einen von uns für den Triathlon umgeschriebenen Marathontrainingsplan des bekannten Lauftrainers Peter Greif. Dieser basiert auf dem Wechsel von harten (schnell und/oder lang) und lockeren Trainingseinheiten. Im herbstlichen Deutschland hatte ich dann bis zu 12 Trainingseinheiten pro Woche zu absolvieren. Diese reichten von regenerativen Fahrten mit meinem alten Mountainbike (mit Fahrradkorb und Schutzblechen) zur Arbeit (ca. 40 Minuten pro Richtung) bis zu den langen Koppeleinheiten sonntags, wo ich nach 80 km Rad fahren noch 17,3 km zu laufen hatte. Als Hobbytriathletin besteht die größte Schwierigkeit darin, dies alles zeitlich unterzubringen und dass nach einer anstrengenden Einheit keine Zeit zum Entspannen bleibt. So machte ich meine unbeliebteste Einheit, Tempoläufe auf dem Sportplatz (z.B. 5 x 1000m), direkt nach einem halben Tag Arbeit und musste mich danach mit Duschen, Essen machen und Mittagessen oft ziemlich beeilen, um meine beiden fünf und drei Jahre alten Söhne rechtzeitig aus dem Kindergarten abzuholen. Die Zeiten bei Tempoeinheiten blieben oft weit hinter meinen im Sommer aufgestellten Trainingsrekorden zurück, was ich mir theoretisch durch die unaerodynamische warme Kleidung und den Energieaufwand fürs Warmhalten im kalten Oktober erklären konnte, aber trotzdem frustrierend war. Zudem war es das dritte Mal dieses Jahr, dass ich einen solchen Trainingsplan durchzog (zuvor für den Challenge Kraichgau, wo ich baden-württembergische Meisterin geworden bin und den Qualiwettkampf in Wiesbaden), so dass ich merkte, dass ich mich eigentlich nach Ruhe sehnte (in Deutschland ist die Triathlonsaison im August/ September zu Ende) und mich schon manchmal fragte, wie ich mich nur darauf einlassen konnte, noch für einen Wettkampf im November zu trainieren. So konnte ich den Abflug ins warme Florida kaum erwarten.

Tapering im windigen Florida

Eine Woche vor dem Wettkampf, am 7.11.09, war es dann endlich so weit und mein Mann, unsere beiden Söhne und ich bestiegen den Flieger nach Florida. Den Sonntag verbrachten wir dann bei ca. 27 Grad am schönen Sandstrand von Clearwater Beach am Golf von Mexiko. Mein Mann, der alle unterstützenden Funktionen, wie Trainer, Fahrradmechaniker, Physiotherapeut, wahrnimmt, baute zunächst noch mein im Radkoffer mitgenommenes Triathlonrad zusammen. Ab Montag wurde es dann immer windiger und wir bekamen die Ausläufer des Tropensturms Ida zu spüren. Am Montag traf ich mich noch mit vielen anderen Athleten um 8 Uhr zum Schwimmen im Meer und später zu einer gemeinsamen Radausfahrt (allerdings nicht auf der Wettkampfstrecke, da dort zu viel Verkehr ist). Die restliche Woche bis zum Wettkampf am Samstag beschränkte sich mein Training, abweichend von meinem Trainingsplan, aufs Laufen, da sehr hohe Wellen, starker Wind und zwischendurch Regen war. Bei diesem Training in der letzten Woche handelte es sich im Wesentlichen um lockere Einheiten zum zielgerichteten Erholen, um punktgenau am Wettkampftag die Topform zu haben. Dies wird im Triathlonjargon „Tapering“ genannt. Der einzige harte Tag für mich war noch der Dienstag, mein Hungertag. An diesem Tag frühstückte ich und nahm dann den ganzen Tag nur Wasser zu mir (bei einer Schifffahrt habe ich den anderen beim Verzehren des lecker aussehenden Menüs zugeschaut). Gegen 17:00 Uhr habe ich einen flotten Lauf gemacht, um die Glykogenspeicher meines Körpers so weit wie möglich zu entleeren. Beim anschließenden Nudelessen wurden diese dann über das vorhergehende Maß aufgefüllt, damit im Wettkampf lange viel Energie für ein hohes Tempo bereit steht.

Am Tag vor dem Wettkampf war die Abgabe des Fahrrads und der Beutel mit den Rad- und Laufsachen in der Wechselzone. Beim Eingang zur Wechselzone erhielt ich gleich einen Zettel, dass die Schwimmstrecke auf Grund des Tropensturms Ida verlegt worden ist. Clearwater Beach liegt auf einer dem Festland vorgelagerten Insel, die durch lange Brücken mit dem Festland und weiteren Inseln verbunden ist. Statt auf der offenen Meerseite zu schwimmen, wurde das Schwimmen auf die ruhige Hafenseite zwischen Insel und Festland verlegt. Ich schaute mir dann erst mal die Stellen an, wo der Start und der Schwimmausstieg sein würden, wobei der Schwimmeinstieg noch gar nicht aufgebaut war. Mit dem Näherrücken des Wettkampfs begann auch langsam die Aufregung etwas zuzunehmen, wobei man mit zwei kleinen Kindern eigentlich immer so beschäftigt ist, dass man gar keine Zeit hat, zu aufgeregt zu werden. Zudem trafen wir nachmittags meine amerikanischen Gasteltern, bei denen ich vor 20 Jahren ein Schuljahr verbracht hatte, und die extra aus Wisconsin angereist waren.

Der Wettkampf

Nachdem ich am Wettkampftag um 4.30 Uhr aufgestanden war und gefrühstückt hatte, ging ich zur Wechselzone, um mein Trinksystem mit Isostar zu füllen und mein Fahrrad zu kontrollieren. Da unser Hotel in unmittelbarer Nähe zur Wechselzone wie auch zum Start lag, konnte ich danach nochmal zurück in unser Zimmer gehen, was sehr angenehm war. Dort zog ich auch meinen Neoprenanzug an und ging dann zum Schwimmstart, wo ich gerade noch sehen konnte wie die Profimänner starteten. Besonders interessant für mich war dann allerdings der Start der ersten Altersklassenathleten, da dieser in einer Weise erfolgte, die ich noch nie erlebt hatte. Normalerweise wäre der Start in Startgruppen nach Altersklassen erfolgt. Da es auf der Hafenseite aber zu eng dazu war, erfolgte ein Einzelstart, d.h. innerhalb der Startgruppen hüpften/kletterten die Athleten in beliebiger Reihenfolge einzeln ins hüfthohe Wasser und schwammen dann los. Die Zeitmessung erfolgte mit einem Chip, den man am Bein trägt und die erste Matte, auf der die individuelle Zeitmessung begann, lag direkt vor dem Einstieg ins Wasser. Dieser Einstieg ins Wasser lief so schnell ab, dass mein Start mindestens eine Viertel Stunde vor der für meine Startgruppe vorgesehenen Zeit lag. Die Orientierung war anfangs sehr schwierig, da man direkt auf die aufgehende Sonne zu schwamm. Ich war immer sehr froh, wenn ich noch einige Badekappen vor mir sah und damit annehmen konnte, in die richtige Richtung zu schwimmen. Nach dem ersten Wendepunkt wurde dies dann erstmal besser. Allerdings lief dann meine Schwimmbrille etwas an – vielleicht weil es anders als bei allen anderen Wettkämpfen keine Möglichkeit zum Einschwimmen gegeben hatte – so, dass die Sicht auch wieder eingeschränkt war. Als auf einmal ein Teil der Schwimmer vor mir nach rechts und ein Teil nach links schwamm, musste ich erst einmal einen Brustzug machen und meine Schwimmbrille kurz absetzen, um mich zu orientieren und nicht falsch zu schwimmen. Auf Grund dieser Bedingungen befürchtete ich furchtbar langsam zu sein. Daher war ich sehr erleichtert, als ich nach dem steilen Schwimmausstieg auf meiner Uhr sah, dass ich 35 Minuten gebraucht hatte, als schlechte Schwimmerin meine normale Zeit für 1,9 km Schwimmen im Wettkampf (offizielle Zeitmessung: 34:59).

In der Wechselzone schnappte ich mir meinen Beutel, zog meinen Neo aus, machte die Startnummer um, setzte Helm und Sonnenbrille auf und los ging es auf die, abgesehen von einigen Brücken, flache Radstrecke. Nachdem es ja zuvor sehr windig war, herrschte am Wettkampftag absolutes Traumwetter: ca. 27 Grad, strahlender Sonnenschein und kein Wind. Da ich von den Ergebnislisten des letzten Jahres wusste, dass die guten Athletinnen einen 40er Schnitt gefahren waren, war es mein Ziel, dies auch zu schaffen, wobei ich mir dies davor eigentlich nicht vorstellen konnte. So war ich sehr froh als ich auf meinem Tacho immer eine Zahl über 40 sah und mich dabei auch noch recht locker fühlte. So überholte ich einen Athleten nach dem anderen und erkannte an der Startnummer, wenn es sich um eine Athletin meiner Altersklasse handelte, worüber ich mich dann immer besonders freute. Alle 20 Minuten nahm ich eine halbe Tube Energiegel zu mir, um mich zu stärken. Mit der Zeit war es natürlich schon anstrengend das Tempo zu halten, aber ich musste mich nie so quälen, wie z.B. in Wiesbaden, und so machte mir das Rad fahren viel Spaß. Nach 90 km und einer Zeit von 2:12:33 erreichte ich die Wechselzone wieder. Ich hatte einen 41er Schnitt gefahren, die schnellste Radfahrt meines Lebens!

Nach dem Wechsel in die Laufschuhe ging es auf den abschließenden Halbmarathon, der abgesehen von einer langen, steilen Brücke, die vier Mal hoch zu laufen war, flach verlief. Ich fühlte mich gut und lief an vielen Athleten vorbei. Da die Startnummer beim Laufen vorne getragen wird und die Armbeschriftung zum Teil nicht mehr lesbar war, war es beim Laufen schwieriger zu erkennen, ob jemand aus der selben Altersklasse war. So habe ich beim Überholen niemanden aus meiner Altersklasse bemerkt und mich daher schon gefragt, ob alle vor mir sind oder alle hinter mir. Ich lief also mein eigenes Rennen und wollte gerne eine schnelle Zeit laufen und wie ich meiner Familie vor dem Wettkampf gesagt hatte, pünktlich zum Mittagessen im Ziel sein. Die steile Brücke hoch zu laufen bereitete mir auf Grund meines Trainings in den Weinbergen keine Probleme und ich fühlte mich so gut, dass ich auf das Trinken an der Verpflegungsstelle vor dem Anstieg immer verzichtete, um nicht aus dem Tritt zu kommen. Mit Wasser auf der ersten Runde bzw. Cola und Wasser auf der zweiten Runde versorgte ich mich dann an den restlichen Verpflegungsstellen, die es jede Meile gab. Am Ende der zweiten Runde sah ich dann auch noch meinen Mann und meinen Gastvater am Streckenrand. Kurz darauf erreichte ich das Ziel. Die 21,1 km bin ich in 1:31:07 gerannt, meine schnellste Halbmarathonzeit im Rahmen eines Triathlons.

Im Ziel

Nachdem ich mich kurz hingesetzt und etwas Wasser getrunken hatte, begab ich mich auf die Suche nach der Massage und dem Verpflegungsbereich für die Athleten. Unterwegs traf ich meinen Mann und meinen Gastvater, die mir mitteilten, dass ich erste in meiner Altersklasse geworden war. Ich Weltmeisterin! Ich freute mich unglaublich, konnte es aber noch gar nicht ganz glauben und begreifen. Als mein Mann und mein Gastvater mich an der Strecke gesehen hatten, dachten sie zunächst, ich wäre auf der ersten Laufrunde. Als ich dann aber nicht wieder kam, rief mein Gastvater einen Kumpel an, der im Internet nachschaute, und ihm mitteilte, dass ich schon im Ziel wäre und zwar als erste. Ich gönnte mir dann erstmal eine ausgiebige Massage, duschte nachher im Hotel und ging dann mit meiner Familie und meinen Gasteltern in ein Restaurant an der Strandpromenade und aß einen großen Hamburger.

Abends war die große Siegerehrung am Strand, zu der sicher die meisten der 1400 Teilnehmer mit ihren Angehörigen gekommen waren. Nachdem es zunächst etwas zu essen gab, begannen danach die Ehrungen. Die jeweils ersten fünf jeder Altersklasse durften auf die große Bühne. Erst als ich aufgerufen wurde, mein Name und meine Zeit als erste der Altersklasse 35 -39 auf der Leinwand stand und ich auf der Bühne den Pokal überreicht bekam, konnte ich wirklich glauben, dass ich tatsächlich Weltmeisterin geworden bin.

Dies war ein einmaliges und erhebendes Erlebnis! Als Weltmeisterin dürfte ich nächstes Jahr wieder teilnehmen. Das werde ich allerdings nicht machen, da ich mich ja nicht mehr verbessern kann und wir zudem, wenn mein ältester Sohn in die Schule kommt, im November nicht mehr als Familie verreisen könnten. Nachdem wir noch eine erholsame Woche nach dem Wettkampf in Florida verbracht haben, genieße ich jetzt zurück in Deutschland die verschiedenen Sportlerehrungen und vor allem nicht nach einem Plan trainieren zu müssen.



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